Höflichkeit und Respekt scheinen in unserer Gesellschaft aussterbende Begriffe zu sein. Handle es nun einen alten Herrn, welcher auf offener Straße unter der schlechten Erziehung halbstarker Jugendlicher leidet, oder ein kleines Mädchen, das an der Bäckerstheke einfach zugunsten erwachsener Kunden ignoriert wird. Man braucht sich nicht wundern, wenn hierdurch wahre Kettenreaktionen ausgelöst und damit eine Gesellschaft jenseits aller Höflichkeitsmanieren produziert wird.
Wie sehr sich die meisten Menschen an den unfreundlichen Umgangston gewöhnt haben, wie wenig sie Gutes erwarten und eher mit dem „Dolch im Rücken“ rechnen, zeigt sich an perplexen Blicken bei einem freundlichen Wort oder einem Lächeln und überschwänglichem Bedanken, wenn man jemandem beim Aufsammeln seiner aus dem Portemonnaie gefallenen Geldstücke hilft. Eine solch schützende Einstellung führt leider auch dazu, dass Handlungen anderer Personen grunsätzlich erst einmal als Angriff auf die eigene Persönlichkeit gesehen werden. Ein Beispiel:
Hans hört zu laut Musik, sein Nachbar klopft. (Szenario A) Der Nachbar denkt: „Klopfe ich doch einfach mal, damit er weiß, dass ich mich gestört fühle. Meine es ja nicht böse, schließlich macht jeder Mal Lärm“. Hans denkt: „Der dumme Nachbar schon wieder, muss immer gleich Randale machen und sich beschweren, anstatt mich vernünftig darauf anzusprechen, was ihn stört“. Hans interpretiert das Klopfen also von vornherein negativ und wird seinem Nachbar dementsprechend voreingenommen und feindselig begegnen. (Szenario B) Der Nachbar denkt: „Dieser gemeine Hans, schon wieder dreht er die Musik voll auf. Der will mich doch nur ärgern!“. Der Nachbar sieht das Musikhören auf seine Person bezogen, weist ein komplett egozentrisches Denkmuster auf. Den meisten Menschen ist man allerdings schlichtweg egal; solche Handlungen sind damit nicht nicht auf die eigene Person bezogen. Weil der Nachbar Hans’ Musikhören als Attacke auf seine Person interpretiert, umgeht er die Möglichkeit eines klärenden Gesprächs, in dem er Hans auf den (möglicherweise unbewussten) Fehltritt hinweisen könnte.
Teil II: Die „geistige Elite“
Nun meint man, dass doch wenigstens unsere „geistige Elite“ ein festes und durch nichts erschütterbares Repertoire an grundlegenden Benimmregeln besäße. Doch auch hier: Weit gefehlt. Barsche Umgangsformen finden sich im geistigen „Inner Circle“, obwohl es doch zur Etikette des wohlerzogenen Bürgers gehört, sich schlechte Laune und Stress nicht anmerken zu lassen oder gar die Mitmenschen in irgendeiner Form damit zu belasten. Der Mangel an Begrüßungsformeln, eine abweisende Intonation oder gar arrogant verhöhnende Floskeln lassen allerdings am Vorhandensein solcher Tugenden zweifeln.
In Anbetracht überfüllter Sprechstunden ist man froh, die entsprechende Person durch Zufall im Gebäude zu anzutreffen. Man fragt nun höflich an, und noch ehe man auch nur ansatzweise ausgesprochen hat, erhält man nichts als eine scharfe Zurückweisung. Es ist, als hätte man ein Loch in die vor nervigen Umwelteinflüssen schützenden Luftblase gestochen.
Jeder Job trägt seine ganz spezielle Belastung mit sich, doch ist es eben genau das: Ein Job. Das bedeutet, sich im Sinne seines Aufgabenbereiches auch einfach mal zusammenzureißen und das Klientel, sei es auch (noch) geistig unterentwickelt, als ein solches zu behandeln.
Natürlich möchte ich nicht ungerecht werden und alle über einen Kamm scheren. Ich habe viele Menschen jener Gesellschaftsschicht getroffen, die mir stehts freundlich und hilfsbereit begegneten. Menschen, die durch ihr Auftreten nicht nur auf der Ebene des persönlichen Bildungsgangs motivieren, sondern zu einem guten Arbeitsklima beitrugen.
Blasphemous Sagte:
on April 20, 2008 at 7:21
*zustimm* ist leider nicht nur in Bildungseinrichtungen so.